Was ich wirklich vom Bloggen vermisse

Laptop, Kaffee, Smartphone und Notizbuch

Es ist ein offenes Geheimnis, dass ich das meiste meines heutigen Schaffens meinem damaligen Bloggertum zu verdanken habe. Eine wilde Zeit, als ich mich irgendwann um 2010 in die deutsche Blogsphäre einarbeitete.

Inzwischen sind Blogs fast schon ein Relikt der Steinzeit. Social-Networks haben die “guten alten Blogs” in die zweite Reihe verdrängt. Sinkende Zugriffszahlen, weniger Werbebuchungen und weniger Leser. Auch den ehemaligen Blogcontent, hat es zunehmend in neue, alternative Social-Networks verdrängt. Wir kommunizieren über WhatsApp, checken Veranstaltungen auf Facebook, folgen unseren Websites per RSS oder Newsletter, posten die Fotos vom letzten Trip auf Instagram und posten vielleicht noch das ein oder andere Video auf Instagram-Story oder vielleicht sogar Snapchat. Der Content ist zwar noch der gleiche, aber hat sich verteilt. Auf verschiedene Netzwerke, die vielleicht genau auf diese eine spezielle Content Art abzielen.

Dabei ist eine Sache, die ich wirklich vermisse, verloren gegangen. Damals gab’s unter uns Bloggern noch eine gewisse Ethik. Man vernetzte sich, hatte seine Anlaufstellen für spezifische Inhalte und verlinkte seine Quellen unter den Beiträgen. Eine Art “Berufsethik”, die selbst bei den großen redaktionellen Publikationen nie Einzug erhalten hatte. Stattdessen vernetzten sich die Blogs und Blogger. Diese Einstellung stärkte unsere Blogs gegenseitig und gab unseren Lesern die Chance, auch die Quellen, die uns inspirieren, aufzusuchen, zudurchstöbern und ggf. sogar ebenfalls zu abonnieren. Mit einem großen Netzwerk aus gegenseitig lesenden Bloggern stieg die Relevanz. Das Google Ranking und das Netzwerk. Es war anerkennend, produktiv und irgendwie transparent.

Davon ist im Social-Web heute nichts mehr übrig. Wer einen schönen Inhalt sieht, teilt ihn nicht mehr, sondern lädt ihn selber hoch. Viele Netzwerke bieten heute kaum noch eine Funktion zum Quellenverweis – oder haben auch gar kein Interesse mehr daran.

Übrigens für mich eins der Argumente, warum Videoinhalte sich schneller verbreiten als statische. Sie können nicht so einfach herunter- und neuhochgeladen werden. Für die meisten Anwender bleibt also nur der Teilen-Button. Während Texte und Bilder gerne gescreenshottet oder kopiert werden. Und am Ende weiß niemand mehr, wo es eigentlich herkommt. Ich möchte hier niemandem Absicht unterstellen, lediglich unterstreichen, dass viele es im Social-Web nie richtig gelernt haben. Oder sich wie so oft, einfach keine Gedanken machen.

Und das vermisse ich am meisten.

Photo by Andrew Neel on Unsplash

Hej, ich bin Ben und ich arbeite als Fotograf, Markenberater und Veranstalter mit eigenem Studio in Köln. 2013 hatte ich einen der größten deutschen Fotoblogs. Inzwischen schreibe ich hier nur noch über die Themen, die meinen beruflichen Alltag beeinträchtigen oder bereichern.

4 Comments

  1. Pingback: Kleinigkeiten
  2. Da bin ich total bei dir. Bin gerade auf der Suche nach den „guten alten Blogs“, die mich vor Jahren inspiriert haben, mit der Fotografie und dem Bloggen zu beginnen. Ich bin inhaltlich bestimmt am unteren Ende aber es machte mir immer Spaß, den Mix aus Fotos, ein wenig Schreiben und vor allem auch technisch und optisch am Blog basteln. Man hat wenigstens ein paar Kommentare bekommen und zwar – wie du schreibst – genau von denen, mit denen man vernetzt war.
    Man hat regelmäßig die Seiten besucht und gelesen und natürlich auch kommentiert. Man hat querverlinkt. Man „kannte“ sich ein wenig. Es fühlte sich an wie ein guter Stammtisch. Man hat auch gerne Kommentare gelesen, um auf die Blogs weiterer Personen zu gelangen.
    Nun gibt es keine Interaktion mehr, nichts mehr zum Draufklicken und Stöbern. Es gibt ja auch kaum noch gute Inhalte. Texte lesen ist ja viel zu anstrengend. Lieber einen dummen Spruch garniert mit einem falschen Bild per WhatsApp und gut ist. Bewegtbild bei YouTube aber bitte nicht länger als 10 Minuten. Es ist alles nur so gehyped und ausschließlich kommerziell, skalierbar und überdurchschnittlich oberflächlich. Es ist wirklich schade.

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