Was mach ich eigentlich mit den ganzen Fotografien?

Lasst uns über Quoten reden. Wie beim guten alten linearen langweiligen Fernsehen. Sie suchen hier chancenlos ein Komma. Selbst mit einer sehr guten Quote, produzieren wohl die meisten von uns sehr sehr viele Bilder. Digitalisierung sein dank. Oder eben nicht. Etwas, was ich durch meine beiden Bildbände auf die harte Tour gelernt habe, ist Bilder auszuwählen. Getreu dem Motto „Less is more“. Less is more bedeutet aber auch, dass die Quote immer schlechter wird. Obwohl die Qualität der Fotos eigentlich besser wird.

Genau dieses Thema möchte ich hier mal als Input geben. Bildreste. Je weniger Bilder wir ausgeben, desto mehr Bilder bleiben auf der Festplatte. Was tun, mit ihnen? Klar, man kann unendlich viele Bilder auf Behance, Instagram und Co. posten. Was eigentlich aber nicht der „less is more“ Philosophie entspricht. Im Gegenteil. Wenn ihr Euch mal explizit Bildstrecken auf Behance anguckt, oder auch das ein oder andere Instagram-Profil, werdet ihr feststellen, dass sich sehr sehr viele Motive mit der inhaltlich gleichen Aussage doppeln. Weil man sich eben nicht entschieden konnte, oder weil man glaubt, das eine Bild mehr würde der Strecke noch gut tun. Das Gegenteil ist der Fall.

Doch je mehr sich diese „Less is more“ Philosophie einbrennt, desto größer wird bei mir die Frage? Was ist mit dem Rest? Zum Beispiel habe ich sehr viele gute Nudes, die ich nicht publiziere, weil ich keinen Bock auf Zensur habe. Was bleibt, dann? Auf dem eigenen Blog posten? Auf einem anderen Netzwerk posten? Ello.co zum Beispiel? Oder doch lieber auf der Festplatte lassen und irgendwann ein weiteres Buch daraus formen?

Dann ist es wie mit diesen beiden Bildern hier, die es eben nicht in meinen zweiten Bildband „Tage Danach“ geschafft haben. Die mir aber trotzdem beide gefallen. Ohne diesen Blog, würden sie also weiterhin auf der Festplatte verschimmeln, obwohl ich in „Tage Danach“ alles unterbekommen hab, was ich wollte.

Und trotzdem stelle ich mir jedes Mal wieder die Frage, wenn ich durch mein PicDrop klicke, was ich denn mit den ganzen Bildern machen kann, die ich nie nie nie gezeigt habe. Wie macht ihr da draußen das denn? Diese Frage wollte ich eigentlich stellen – freu mich über Input in den Kommentaren!

Hej, ich bin Ben und ich arbeite als Fotograf, Markenberater und Veranstalter mit eigenem Studio in Köln. 2013 hatte ich einen der größten deutschen Fotoblogs. Inzwischen schreibe ich hier nur noch über die Themen, die meinen beruflichen Alltag beeinträchtigen oder bereichern.

13 Comments

  1. Printen! Erst mal nur für mich. Reifen lassen. Vielleicht irgendwann publizieren (Ausstellung und/oder Bildband). Über alles, was sich nicht zu printen lohnt, brauchen wir nicht reden. Oder einen Gedanken verschwenden. Habe vor einem halben Jahr begonnen, alles (digital fotografierte), was sich nicht zu printen lohnt, endgültig zu löschen. Und nicht mehr darüber nachzudenken. Funktioniert für mich sehr gut.

    1. Eine sehr strikte, demnach gute, Einstellung. Allerdings kann ich auch aus der Erfahrung sagen, dass ich nicht selten im Archiv nach Bildern für Ausstellungen suche und ziemlich oft Bilder wähle, die ich Jahre zuvor nicht auf dem Schirm hatte oder erst einmal aussortierte.

  2. Ein gutes, wichtiges Thema!
    Beim Runterziehen von der Speicherkarte treffe ich die erste Selektion. Während der Sichtung/Bearbeitung fallen nochmals etliche Aufnahmen durch die Wertung. Am Ende eines jeden Monats filtere ich konsequent erneut. Und mit zeitlichem Abstand am Jahresende, sozusagen als fotografischen Rückblick, lösche ich nochmal alles, was mir weder qualitativ, noch aus Erinnerungsgründen irgendwas bedeutet. Und da sind wir beim Punkt 2. Das Thema Erinnerung hängt ja auch irgendwie an der Qualität von Fotografien. Je nach Ausprägung von Sentimentalitäten mag dieser Faktor größer X sein… ?
    Die „less-is-more“ Vorgehenweise läßt sich übrigens auch in bestimmtem Umfang schon beim Fotografiern selbst bedenken. Die Menge dessen, was erst gar nicht generiert wird, ist nicht zu unterschätzen, und damit die nachfolgende Zeit + Energie auch nicht.
    Herzlich, Dirk

  3. Hab ehrlich? Ich habe kein auch nur im entferntesten heldenhaften Konzept dafür Aussee: Liegen lassen und mitsichern. Klar, totalen Schrott importiere ich oft erst gar nicht aber die Schwelle, was totaler Schrott ist, liegt sehr tief. Speicherplatz kostet quasi nichts mehr und weh tut das Liegenlassen höchstens, wenn die Bilder ein eigenes Medium beanspruchen würden. Dann würde es schlagartig lästig, sich mit der Frage zu befassen, ob diese Platte oder CD oder wasauchimmer wohl noch tut ins wo die lagern soll usw.

    So lange wir über Verzeichnisse in nach und nach wachsenden Servern reden, ist mir die Zahl der Daten egal. Und ab und zu kommt dann der Clash, Mal nachzusehen was man vor fünf oder zehn Jahren so gemacht hat und da erzählen auch die Bilder noch Geschichten, die man weder damals noch heute unbedingt drucken würde…

  4. Für wen fotografierst du?
    Für Instagram und Co?
    Oder für dich?

    Alles was _dir_ wichtig ist aufheben und verwerten.
    Den Rest löschen.

    1. So einfach ist oft eben nicht. Nicht selten habe ich für Ausstellungen zum Beispiel neue Motive aus dem Archiv gesucht. Gleiches gilt auch für meine Erfahrungen mit Kunden, die gerne auch nach längerer Zeit noch einmal weitere Motive aus einer Strecke anfragen, weil sie vielleicht doch noch ein oder zwei Verwendungen haben, wo sie gerne anderes Bildmaterial aus dem selben Shooting einsetzen wollen.

  5. Archivieren. Es ist ja zu Weilen noch nicht klar ob sich das ein oder andere Bild später als ein bedeutsames entpuppt, weil der Zeitgeist ein Anderer ist, weil man selbst ein Anderer ist, weil die Welt eine Andere ist und der/die/das Abgebildete dann strahlt und leuchtet und blinkt und gezeigt und gesehen werden will.
    Erstmal archivieren, am Ende ist man es ja vielleicht gar nicht selbst der das Archivierte sichtet und zum Sehen zeigt.

    1. So mache ich es bisher. Allerdings wird der Speicherplatz auch immer mehr und mehr. 150 TB hab ich jetzt schon 😉 Habe aber tatsächlich vor Monaten erstmals ganz alte Shootings gelöscht. Aber ich denke, dein Argument ist ein sehr sehr wichtiges. Weil ich mich selbst schon oft dabei erwischt habe, wie sich meine Ästhetik und Bildauswahl über die letzten Jahre geändert hat.

      1. Und die Terabytes wollen zweifach sein, weil wenn die eine Platte raucht und man alles aus Jahren verliert hat der Zufall selektiert was man aufhebt und was verloren ist (persönliche schmerzliche Erfahrung – wenn noch einmal jemand sagt kein backup, kein Mitleid dem nehm ich die Emojis weg). Zudem muss muss man realistischer Weise nicht nur Redundanzen erstellen sonder auch alle Jahre wieder an neu Speicherarten anpassen (ich hab hier im Schrank noch 3,5″-Disketten und Darbender und weiß nicht was und ob noch was drauf ist).
        In meinem Fall lagere ich im Schrank auch noch 35mm und Rollfilm. Zumindest dieses Medium ist recht zukunftssicher.

  6. Hallo Ben. Also ganz ehrlich gesagt, kann dir doch diese Entscheidung niemand abnehmen, Hot oder Schrott! Ich suche selbst in alten Fotoarchiven nach Motiven auf ihrer Verwertung hin in der Neuzeit und muß schon manchmal staunen was man nicht alles so fotografiert hat. Aber in die Heutzeit ist kaum etwas zu retten oder zu übertragen, leider ändert sich die Ansicht der Dinge eben sehr schnell. Es ist und bleibt eben ein Sellenarchiv der Fotos seines Werdegangs! Wenn das so richtig verstanden wird wie ich es meine. Ich denke so lange Platz ist aufheben und Spaß am Betrachten haben, löschen kann man ja viele Jahre später immer noch. Nicht zu vergessen die Dokumentarische Seite eines schönen alten Fotoarchivs auf der Festplatte, der Werdegang, die Mode, die Herangehensweise, die Ausarbeitung und das rein historische lohnen das Sammeln, Platz kostet heute nicht mehr so viel. Deshalb hebe ich aufhören die RAW File auf um sie in der Jetztzeit neu zu definieren.
    Meine Meinung dazu.
    MfG und weiter gut Licht.

    1. Das stimmt! Ja und Speicherplatz wird immer günstiger. Wobei auch die entsprachenden Backup-Systeme dazu gehören, die auch so ein Archiv schnell mal deutlich komplexer und Arbeitsintensiver machen.

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