Making-The-Book: Das Buch-Layout mit Matthes Zimmermann

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Vor langer Zeit hab ich schon mal drüber geschrieben, wie es ist die eigenen Bilder auf Druckbögen zu sehen. Es ist einer dieser magischen Momente, bei der Produktion eines Bildbands. Oder besser gesagt: Bei der Produktion des ersten Bildbands.

Nichts mit Magie haben hingegen die unzähligen Stunden am Rechner während des Entstehungsprozesses zu tun. Mit meinem ersten Bildband „Das Leben und Sterben des BENHAMMER“ habe ich entweder alles richtig, oder alles falsch gemacht. Als ich entschieden habe, dass ich die Layoutarbeit aus den eigenen Händen geben werde.

Ich kann fast mit jeder Software umgehen, InDesign hingegen raubt mir jedes Mal den letzten Nerv. Schon seit Jahren. Also entschied ich mich lieber meine Zeit in die Kuration zu investieren und beim Layouten einfach „nur“ über die Schulter zu gucken, um meinen Senf abzugeben. Damals saß ich mit Grafikerin Anja Nordmann unzählige Wochenenden über 4 Monate hinweg am Schreibtisch und entwickelte einen gesamten Bildband „on the fly“, wie ich es gerne nenne. Für das nächste Buchprojekt nahm ich mir jedoch vor, vorbereiteter in den Layout Prozess einzusteigen.

Glücklicherweise fand ich viele der Ideen, die wir damals entwickelt haben, immer noch so gut, dass klar war, dass wir die Elemente auch in Band 2 „Tage Danach“ wieder aufnehmen wollen. Dazu gehören beispielsweise:

  • die Schriftart
  • die Art des Impressums
  • das Songverzeichnis
  • die handschriftlichen Notizen
  • die Cover-Idee
  • die Überzüge der Bilder
  • die Seitenzahlen
  • Die Playlist zum Buch

Irgendwie alles, was die Äußerlichkeit von „Das Leben und Sterben des BENHAMMER“ für mich ausgemacht hat. Damit war die Arbeit an „Tage Danach“ (Frührausch Interview nach dem Klick) schon einmal in seine Bahnen gelenkt.

Grafiker Matthes Zimmermann

Einige Wochen vor Druckabgabe kam dann Matthes Zimmermann ins Spiel. Matthes kenne ich inzwischen schon einige Jahre. Er ist irgendwann aufgetaucht. Wahrscheinlich bei der Road-To-Photokina. Er fotografiert, aber hat in den letzten Jahren auch immer wieder grafisch die ein oder andere Sache umgesetzt, die mir gefiel. Ein paar Wochen vor Druckabgabe besuchte er mich im Studio und hörte von meinem noch nicht vorhandenen Layout. Kurzerhand bot er mir seine Hilfe an. Zugegeben: Ich war zu dem Zeitpunkt ein bisschen verloren. Ich hatte die Bilder produziert, hatte meine Geschichte im Kopf und die vielen Rahmenpunkte (siehe oben), fühlte in den Bildern die Geschichte aber noch nicht und hatte keine Idee, wie sich das in zwei Wochen ändern sollte. Wir machten einen Termin, weil Matthes wusste, dass er mich ein bisschen unter Druck setzen muss und eine Woche später saß er bei mir im Studio.

Ein Tag zuvor musste ein Nachtschicht ran, ich weiß gar nicht mehr, wie ich auf die Idee kam, aber es war die Idee, die mich motivierte. Um meinen Hass gegenüber InDesign zu umgehen, entschied ich mich kurzerhand auf Keynote zu wechseln. Ich dachte, es wäre am einfachsten in dieser simpel gehaltenen Software meine Ideen zu skizzieren. Also layoutete ich praktisch das gesamte Buch in Keynote vor, alle Songtexte, Notizen, Texte und verwendeten Bilder packte ich in einen Ordner und gab so Matthes die Möglichkeit, einfach vom Secondscreen das Buch nachzubauen. Eine Schnapsidee, die sich aber bewährte. Die Keynote auf Querformat gestellt und in die Mitte einen Trennstreifen gesetzt. Schon konnte es losgehen. Ok, es waren 3 Flaschen KiwiTrail und 2 Nachtschichten nötig, aber meine Idee nahm dadurch rasant Form an.

Am nächsten Tag musste ein letzter Kurationsdurchlauf bei Kurator und Nachbar Sebastian H. Schroeder war möglich, der die Seiten nochmal was zusammenstauchte, mir aber mit seinem ersten Verständnis der Geschichte ein gutes Gefühl gab. Das ist aber eigentlich eine ganz eigene Geschichte.

Zurück zu Matthes, da waren wir ja stehen geblieben. Er kam also donnerstags ins Studio, brachte seinen MacBook mit und machte sich an die Arbeit. Gegen 00:00 Uhr in der Nacht hatten wir die erste Version fertig. Womit ich in meiner Meinung bestätigt wurde, dass es absolut Sinn macht einen Designer für ein solches Projekt mit an Bord zu nehmen. Gerade jemanden mit Erfahrung.

  1. Er zieht kompromisslos durch, bis das Projekt fertig ist
  2. Er hat genug Erfahrung, um Fehler zu vermeiden – gerade was Druckproduktionen angeht
  3. Er setzt die eigenen Ideen dank seiner Softwarekenntnisse viel schneller um
  4. Er bringt an den richtigen Stellen neue Ideen, Blickwinkel und Lösungen ein.

Gerade Punkt 4 ist es, der aus einem Eigenwerk ein besseres machen kann. Oft sind es auch nur kleine Ideen, Änderungen und Details, die ich selber nach Stunden vor dem Monitor und den Bildern, nicht mehr sehe.

Songzitate von deutschen Popkünstlern

Am nächsten Tag druckte ich das gesamte Layout nochmal auf DinA4 aus und blätterte es mehrmals durch. Hier finde ich immer noch Ungereimtheiten, die ich am Display nie entdecken würde. Gerade beim richtigen Blättern merke ich erstmals Bilddopplungen, Layoutsprünge und andere Details. Mit ein paar Dutzend Markierungen auf den Ausdrucken ging es in die Finalisierung. Matthes kam also Freitag nochmal rein, auch wenn er dachte, er würde dieses Mal früher nach Hause fahren.

Irgendwann um 00:00 Uhr war das Druck-Pdf fertig geschrieben und ich stieg am nächsten Tag ins Auto nach Hamburg, wo ich der KLAN Tour jointe. Am Sonntag entdeckte ich auf dem Handy (GoogleDrive sei Dank) noch einen Fehler im Inhaltsverzeichnis und am Montag ging die korrigierte Druck-PDF bei Siepmann in Hamburg in die Produktion.

Wie schon letztes Mal, eine Punktlandung. Auch wenn ich sehr lange dachte, ich würde dieses Mal alles besser machen. Viele Dinge liefen besser, einige Sachen ändern sich aber wohl nie. Zum Beispiel Abgaben kurz vor Deadline. Aber irgendwer hat mal jemand gesagt, man soll sein Schicksal akzeptieren. Vielleicht ist es meins.

Fazit zum Layouten von Büchern

Ich für meinen Teil habe aber auch daraus wieder unfassbar viel gelernt. Zum Beispiel, dass man nie früh genug mit dem Layouten anfangen kann, um einen richtigen Eindruck von seiner imaginären Idee zu bekommen. Im Kopf sieht vieles doch anders aus als in der Realität. Außerdem lohnt es sich, jemanden zu bezahlen, der sowas beruflich macht. Wenn es ein Freund ist, wie Matthes, der die eigene Arbeit kennt und verfolgt, umso besser.

Auch wenn fast der ganze Artikel um Matthes geht. Hier nochmal: Danke Matthes für deinen Support. Bin nicht sicher, was aus „Tage Danach“ ohne Dich geworden wäre.

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Hej, ich bin Ben und ich arbeite als Fotograf, Markenberater und Veranstalter mit eigenem Studio in Köln. 2013 hatte ich einen der größten deutschen Fotoblogs. Inzwischen schreibe ich hier nur noch über die Themen, die meinen beruflichen Alltag beeinträchtigen oder bereichern.
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