Der Traum vom eigenen Fotobuch

Vor ein paar Wochen hat Damian Zimmermann auf Facebook zu einer kleinen Umfrage aufgerufen. Für das fotoMagazin schrieb er einen Artikel über “Den Traum vom eigenen Fotobuch”. Zentrales Thema: Die wachsenden Flut der Verlags- und Eigenpublikationen und die Frage “Bist Du als Fotograf nur mit einem eigenen Bildband glaubwürdig?”

Ich habe mich an der Umfrage zwar nicht beteiligt, mir aber meine ganz eigenen Gedanken zu meinen bisherigen Werken gemacht. Diese Gedanken will ich mit Euch teilen. Dabei stelle ich mir auch heute in der Retrospektive die Frage: “Warum habe ich Das Leben und Sterben des BENHAMMER” und “Tage Danach” überhaupt gemacht?”

Der Buchdruck in Hamburg für meinen ersten Bildband bei der Druckerei Siepmann

Das Geld war es nicht

Auch wenn es Euch wahrscheinlich jeder Fotograf sagen wird, richtig “Geld” verdient Ihr mit dem eigenen Bildband eher nicht. Ausnahmen bestätigen die Regel. Vielleicht wenn Du Paul Ripke bist und die WM fotografiert hast. Ansonsten steht Aufwand und Ertrag in keinem Verhältnis. Selbes gilt für meine beiden Bildbände. Während Band 1 gar keine Chance hatte, sich selbst auch nur annähernd zu finanzieren, läuft Band 2 “Tage Danach” ganz gut. Die Hälfte der Auflage ist bereits verkauft, viele wurden verschenkt. Trotzdem würde auch dieses Buch niemals seinen Break-Even erreichen, wenn nicht alle Beteiligten entweder aus der Lust an der Freude oder zu Freundschaftspreisen ausgeholfen hätten. Designer, Lektorat, Model und die eigene Arbeitszeit, stehen einfach in keinem Verhältnis, wenn Du – wie ich – von 1000er Auflagen sprichst und einen fairen Verkaufspreis von 35,00 Euro inkl. Mehrwertsteuer ansteuerst.

Der Traum war es auch nicht!

Auch wenn ich schon 2013 mit der Fotografie angefangen habe und inzwischen einige Jahre damit verbracht habe, habe ich die ersten Jahre nicht mal an einen Bildband gedacht. Was wohl vor allem meiner digitalen Herkunft geschuldet ist und mich das gedruckte Foto erst um 2015 angefangen hat zu interessieren. Irgendwann um die Zeit wuchs meine innere Faszination für einen eigenen Bildband.

Der Wunsch nach einer neuen Ausdrucksform

Viel mehr war es um 2015/2016 der Wunsch nach einer neuen Ausdrucksform. Irgendwie hat mich die digitale Publikationswelt zunehmend gelangweilt. Der Instagram-Account gefüllt mit Einzelfotos, die keine fortlaufende Geschichte erzählen können. Unzählige digitale Magazine, denen Du kostenfrei Bilder schickst, in der Hoffnung auf ein paar neue Follower und Klicks auf die eigene Website. Der eigene Blog, der lieblos eine nach der anderen Studiostrecke zeigt. Mit viel zu vielen Bildern und viel zu wenig tiefgründigen Texten oder wechselnden Motiven.

In dieser Zeit hatte ich auch die ersten Bücher von Kollege Ben Bernschneider in der Hand, der mir mit seiner Erzählform Mut zu etwas Eigenem gab.

Genau in dieser Zeit wuchs mein Wunsch, eine Liebesgeschichte zu erzählen. Persönlich, schmerzhaft, emotional. Fotografien, als Teil der Geschichte – nicht als Geschichte selbst.

Eine fast romantische Vorstellung

Inspiriert von “An American Summer” entschied ich damals also, eine Geschichte in Buchform zu erzählen. Sie sollte persönlich, ehrlich und intim sein. Darum entschied ich mich für einen Bildband. Es sollte limitiert sein und nicht für immer für jeden zugänglich. Auch als kein besonders großer Bücherleser, gefiel mir die romantische Vorstellung, den Betrachter auf eine Reise einzuladen, die er nur selbst erleben kann. Zurückgezogen mit dem Buch auf einer Couch oder im Bett. Nicht an einem lauten Stammtisch, mit 10 Leuten, die über die Schulter gucken.

Es ist noch heute das, was mir die meiste Freude an den eigenen Werken bereitet. Wenn Menschen Bilder von ihren Bücherregalen teilen, wo meine Werke einen Platz gefunden haben. Oder wenn sie die Bücher bei Freunden entdecken und fotografieren. Eigentlich ist das das schönste am eigenen Bildband. Gepaart mit der leicht naiven Vorstellung, man habe etwas für die Ewigkeit geschaffen. Wir alle wissen, dass auch Bücher früher oder später in Vergessenheit geraten. Aber anders als Blogs, Facebook-Seiten und Instagram-Pages, denen wir immer wieder in großen Löschaktionen neues Leben einhauchen, hat der Bildband etwas beständiges in der heutigen Zeit.

Traut Euch!

Egal, ob die Flut an Publikationen steigt oder sinkt oder der Markt überflutet wird. Ich wünsche jedem, der in irgendeiner Form kreativ ist, dass er früher oder später den Weg wagt und den Mut aufbringt, seine Arbeiten einfach mal in gedruckte Form zu bringen. Es ist egal, ob es die Menschen interessiert oder nicht. Irgendwer wird an Eurer Arbeit immer Gefallen finden. Und was ich selbst nicht gedacht hätte, auf dem Weg zum eigenen Buch lernt Ihr so viel neues über Eure eigene Arbeit und wie ihr Euch vielleicht zukünftig ausdrücken wollt, dass es das alleine schon wert ist!

Ich habe meinen späten Traum vom Fotobuch sehr schnell realisiert. Genau deswegen und weil ich die Auswirkungen auf meine Arbeit nun kenne, appelliere ich für mehr Bildbände auf der Welt!

PS: Den Artikel von Damian mit den Worten vieler verschiedener Kollegen zu dem Thema, könnt Ihr übrigens hier online lesen.

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