Seit vorgestern läuft die 19. Ausgabe des c/o Festivals hier in Köln. Jedes Jahr bietet es hier und da die Möglichkeit, Musiker in Venues zu sehen, in denen sie eigentlich nicht ‚heimisch‘ sind. So, wie gestern MINE im Klaus von Bismarck Saal (was ein mondäner Name) im WDR Funkhaus.

Der WDR Funksaal

Zugegeben, ich war schon ziemlich gespannt, wie das Konzert dort ablaufen wird, da ich den Sendesaal bisher nur einmal von innen gesehen hatte, und das bei einer Lesung. Wo es ganz normal ist, dass man theater-mäßig in festen Sitzreihen still sitzt und zuhört. Aber für ein Konzert von einer Künstlerin wie MINE, zu deren Songs man sich auch gerne und viel bewegt, klang diese Kombination doch schon sehr interessant. Die erste Ernüchterung, in Bezug auf die Venue, gab es jedoch schon beim Einlass: der verlief nämlich mehr als schleppend und eine improvisierte Schlange zog sich quer über den Wallrafplatz. Zugegeben, das Konzert war ausverkauft, aber einen so langsam laufenden Einlass habe ich noch nie bei einem Konzert erlebt. Kann aber auch daran liegen, dass die Tickets mit iPhones der vorvorvorletzten Generation gescannt wurden und wie wir alle wissen, nehmen deren Geschwindigkeit mit zunehmenden Alter rapide ab. Naja, wir hatten es also in den Foyer Bereich des Sendesaals geschafft, wo dann die nächste Überraschung lauerte: Sämtliche Jacken und Taschen mussten an der (kostenfreien) Garderobe abgegeben werden, was an sich erstmal nicht schlecht ist, jedoch nach Ende des Konzertes zu einigem Chaos führte, da nun natürlich alle Besucher auf einmal ihre Sachen zurückhaben wollten. Fürs Konzert und die Musik von MINE natürlich absolut unwichtig, aber vielleicht ein Learning für die Leute vom c/o pop fürs nächste Mal. Denn an sich ist der Sendesaal eine ganz coole Location. Der Sound ist super und man kann von jedem Platz was sehen, selbst wenn alle Leute stehen.

MINE @ c/o pop Festival

Damit kann ich auch endlich zum einzig wichtigen Teil des Abends kommen: MINE. Punkt 22 Uhr betrat diese unfassbar coole Frau die Bühne. Recht spät, da vorher noch eine Vorband ganze 45 Minuten spielte, die, meiner Meinung nach, leider ein absolutes Fehlbooking waren. Keine wirklichen Gemeinsamkeiten zur Musik von MINE, sehr experimentelle Musik mit Sounds, die an Fingernägelkratzen auf Schultafeln erinnerten. Es war eine besondere Erfahrung. Aber die Freude auf MINE wurde dadurch nicht gemindert. Denn als sie dann unter Applaus die Bühne betrat und anfing zu singen, gab es nur noch sie und ihre sehr gute Band. Und die LED-Vorhänge im Hintergrund aus China, auf die MINE sehr stolz war. Zu Recht, denn die Lichteffekte boten eine schöne Untermalung zu den Songs und hoben die Bühnenshow auf das nächste Level. Es war wirklich ein tolles Erlebnis zuschauen zu dürfen, wie die fünf Musiker auf der Bühne Spaß hatten, alte Songs und Songs aus MINE’s neuen Album Klebstoff zu performen. Und diese Freude übertrug sich auch auf’s Publikum. Zugegeben, bis zum drittletzten Song groovte jeder brav sitzend mit, man wollte ja niemanden die Sicht verhindern. Aber als dann MINE uns alle aufforderte aufzustehen, stand der ganze Saal binnen Sekunden und tanzte so gut es ging mit. Die Musik von ihr steckt einen einfach an und ihre fröhliche und lustige Art führte wirklich zu einem Dauergrinsen und guter Laune. Man merkt an, dass sie und ihre Band bestehend aus Winfried Rimbach-Sator (Keys), Hannes Porombka (Gitarre), Philo Tsoungui (Drums) und Vroni Frisch (Bass) echt Spaß an dem haben, was sie tun. Besonderes Highlight waren dabei die Rap Parts von Philo und Vroni. Hierbei ersetzten sie teils die Rap Einlagen von Fatoni, also wirklich große Fußstapfen, die sie aber ausfüllen konnten und für großen Jubel im Publikum sorgte. Für mich wieder ein Zeichen, dass es wirklich zu wenige weibliche Rap-Acts auf deutschen Bühnen gibt. Bitte mehr davon! Es war ein richtig gutes Konzert und neben den downsides der Venue, muss man sagen, dass der Sound wirklich spitze war. Aber der sollte wohl auch stimmen, in einem Saal, in denen sonst Orchester spielen.

Ein kleiner Snippet von 90 Grad

Köln war der erste Stop der Tour

Der Auftritt von MINE bei der c/o pop in Köln war gleichzeitig ihr Tourstart und wenn Ihr auch mal in den Genuss kommen wollt, MINE und ihre Band live zu erleben, dann tut es. Unbedingt! Sonst verpasst ihr was.

04.05. Wiesbaden
05.05. Hannover
07.05. Konstanz
08.05. Stuttgart
09.05. Leipzig
10.05. Berlin
11.05. Hamburg
15.05. Wien
16.05. Nürnberg
17.05. München
18.05. Zürich

Ansonsten hört euch auf jeden Fall ihr neues Album Klebstoff (Amazon Link)an und natürlich auch die alten Alben!

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